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© Jaqueline Ringeisen

Der Wolf (Canis lupus lupus)

Anpassungsfähig und vielfältig

Der Wolf breitete sich nach dem Ende der letzten Eiszeit vor 10.000 Jahren fast über die gesamte Nordhalbkugel aus. Dort traf er auf unterschiedliche Lebensräume, was regionale Anpassungen zur Folge hatte. Den Wolf gibt es daher in vielen verschiedenen Größen und Fellfärbungen, alle an den jeweiligen Lebensraum angepasst (Wotschikowsky in Heurich 2019). Klare Abgrenzungen zwischen den einzelnen Wolfsvorkommen in Unterarten sind nur schwer vorzunehmen. Immer wieder stattfindender genetischer Austausch zwischen den verschiedenen Vorkommen und eine sich wiederholende Geschichte von Ausrottungen und Wiederansiedlungen laufen dem zuwider. Diskussionen um die Einteilung in Unterarten berufen sich heute meist auf DNA-Analysen, sind aber bei weitem nicht abgeschlossen, weshalb man bei verschiedenen Autoren teilweise sehr unterschiedliche Angaben zu den Unterarten des Wolfes und findet. 

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Der Wolf zeigt daher eine große Variation in seiner Körpergröße, gemessen von der Nasenspitze bis zum Schwanzansatz erreicht er Längen von 80 bis 160 cm, das Gewicht eines ausgewachsenen Tieres reicht von 19 bis 80 kg, geschlechtsreif sind Wölfe mit ca. anderthalb Jahren (Heurich 2019 nach Bibikow 1988). Wie bei den meisten Tieren nehmen Körpergröße und Gewicht grundsätzlich von Norden nach Süden hin ab, die größten Wölfe finden sich in der Arktis, Alaska, Nordkanada und Sibirien, die kleinsten auf der arabischen Halbinsel und dem Vorderen Orient (Wotschikowsky in Heurich 2019). Männliche Tiere sind in allen Regionen  ca. 15-20% größer als Weibchen. In Deutschland lebende Wölfe gehören zur sog. Nominatform Eurasischer Wolf (Canis lupus lupus) und weisen in aller Regel Körperlängen von 130-140 cm mit einem Gewicht zwischen 40-45 kg auf (Wotschikowsky in Heurich 2019). 

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© Jaqueline Ringeisen

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© Jaqueline Ringeisen

Soziale Lebensweise

Wölfe leben in Sozialverbänden, den Rudeln. Das ermöglicht es ihnen Beutetieren nachzustellen, die größer und stärker sind als sie selbst. Wolfsrudel bestehen aus Familienverbänden in direkter (linearer) Abstammung. Tonangebend ist das Elternpaar, nur sie bekommen Nachwuchs. Wölfe bleiben etwa 2-2,5 Jahre im Familienverband der Elterntiere, bis sie freiwillig abwandern, um sich eigene Territorien zu suchen. Daher werden Wolfsrudel selten größer als zehn bis zwölf Tiere, in aller Regel umfasst ein Rudel drei Generationen: Die Elterntiere, Jungtiere aus dem Vorjahr (sog. Jährlinge), die bei der Aufzucht der jüngeren Geschwister helfen und den diesjährigen Welpen (Wotschikowsky in Heurich 2019). In anderen Regionen der Erde kommt es mitunter zu Großrudelbildungen von 20 und mehr Wölfen (Wotschikowsky in Heurich 2019 nach Smith & Ferguson 2005), für Mittel- und Westeuropa ist dieses Verhalten nicht bekannt.

Wenn junge Wölfe abwandern haben sie kein Ziel, sie streifen auf der Suche nach einem Partner und einem geeigneten Revier umher, manchmal kehren sie zum alten Rudel zurück. Während dieser Wanderungen sterben viele Wölfe, sie sind auf sich allein gestellt, meist relativ unerfahren und queren vor allem im dicht besiedelten Deutschland unzählige Straßen.

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© Jaqueline Ringeisen

Fortpflanzung und Aufzucht der Jungtiere

Anfang Februar findet die Paarung unter Wölfen statt. Die Wölfin ist nur für etwa eine Woche paarungsbereit, geschlechtsreif werden Wölfe in einem Alter von ca. 1,5 Jahren. Um sich fortpflanzen zu können müssen junge Wölfe das Rudel verlassen, das Elternpaar duldet keinen weiteren Nachwuchs neben dem eigenen innerhalb des Rudels. Nach durchschnittlich 63 Tagen kommen meist 4-6 Jungtiere zur Welt, sie sind blind und taub. Dazu zieht sich die Wölfin an einen ruhigen und geschützten Ort zurück, etwa unter Felsvorsprünge, Wurzelteller oder in eine Erdhöhle. Diese Höhlen sind teilweise selbst gegraben oder es werden vorhandene Fuchs- und Dachsbauten genutzt, sie können mehrere Meter tief sein. Die Baue besitzen immer nur eine Eingangsröhre, die in einen größeren Raum mündet, dem Wurfkessel, wo die Jungtiere zur Welt kommen. Erst im Alter von 3,5 Wochen verlassen die jungen Wölfe zum ersten mal den Bau, der nur vom Muttertier aufgesucht wird. Gegen andere Raubtiere wird die Wurfhöhle erbittert verteidigt (Wotschikowsky in Heurich 2019).

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Sinnesleistungen

Die Sinnesleistungen des Wolfes sind sehr gut ausgeprägt, vor allem das Gehör und der Geruchssinn. Das gute Riechvermögen wird schon durch die große Nasenschleimhaut, die in der langen Schnauze Platz findet, offensichtlich. Der Geruchssinn ist auch bei der Kommunikation zwischen Wölfen von großer Bedeutung (Wotschikowsky in Heurich 2019). Sein Sehvermögen entspricht etwa dem des Menschen, bei schlechten Lichtverhältnissen ist es etwas besser. Das Farbensehen ist schlechter ausgeprägt, Rot und Grün können kaum unterschieden werden (Wotschikowsky in Heurich 2019). Sein Körperbau macht den Wolf zu einem hervorragenden Läufer auf alle Distanzen, er ist dazu in der Lage über mehrere Kilometer hinweg Geschwindigkeiten von 56-64 km/h zu halten (Wotschikowsky 2019 in Heurich 2019 nach Mech 1970). Meist bewegt er sich im Trab, einer kräftesparenden Gangart, die ihm auch auf große Distanzen eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 8,7 km/h ermöglicht (Wotschikowsky in Heurich 2019 nach Mech et al. 2015).

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Besonders beeindruckend erscheint uns Menschen oftmals das Orientierungsvermögen des Wolfes. Wie auch der Hund kann er zu bestimmten Orten zielsicher zurückfinden. Dabei orientieren sich beide wahrscheinlich über das Magnetfeld der Erde (Hart et al. 2013).

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© Jaqueline Ringeisen

Kommunikation

Das soziale Leben des Wolfes erfordert eine vielfältiges Kommunikationssystem. Wölfe nutzen daher alle Sinne, neben optischen, akustischen und olfaktorischen Signalen wird auch über Mimik und Gestik kommuniziert. Das allseits bekannte Heulen  ermöglicht eine Verständigung auf Entfernungen bis zu 16 km und hält 3-7 Sekunden an. Meist ist es in den Morgen- und Abendstunden der Paarungszeit (Januar/Februar) zu hören. Es dient dem Finden eines Partners oder im Chor des Rudels als weithin vernehmbaren Besitzanspruch des Reviers (Wotschikowsky in Heurich 2019). Zugleich fördert es die Gruppenbindung und ist eine Form der Kommunikation während der Jagd.

Der Geruchssinn ist besonders gut ausgeprägt, Duftmarken von Urin und Kot enthalten Informationen über Geschlecht, sozialen Status, Rudelzugehörigkeit, körperliche Verfassung, Paarungsbereitschaft und sogar darüber, welche Beute gemacht wurde (Wotschikowsky in Heurich 2019). Damit die Information sicher ankommt setzen Wölfe Kot und Urin an markanten Stellen wie Steinen und Wegkreuzungen ab, zusätzlich wird häufig der Boden aufgekratzt, um die Stelle auch optisch zu markieren (Wotschikowsky in Heurich 2019).

Innerhalb des Rudels läuft die direkte Kommunikation meist über Mimik und Körpersprache.

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Lebenserwartung

Wölfe können in Gefangenschaft 18-20 Jahre alt werden, auch in freier Wildbahn erreichen sie ein Alter von 10 Jahren und mehr. Selbst in diesem hohen Alter können sie noch Nachwuchs produzieren (Mech 1988). Dass die Jagd nicht ungefährlich ist, zeigen häufig zu findende und bereits verheilte Verletzungen, wie Rippenbrüche bei älteren Wölfen (Wotschikowsky in Heurich 2019). Die häufigste Todesursache für Wölfe in vollständig besiedelten Regionen sind aggressive Auseinandersetzungen bei Revierstreitigkeiten untereinander. In Deutschland ist die häufigste Todesursache eine Kollision im Straßenverkehr, weit weniger Wölfe sterben hier an Altersschwäche oder illegalen Abschüssen (DBBW 2021). 

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Literatur:

 

BIBIKOW D.I. (1988): Der Wolf - A. Ziemsen Verlag, Wittenberg, 198 Seiten

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HART V., NOVÁKOVA P., MALKEMPER E.P., BEGALL S., HANZAL V., JEZEK M., KUSTA T., NEMCOVÁ V., ADÁMKOV J., BENEDIKTOVÁ K., CERVENÝ J., BURDA H. (2013): Dogs are sensitive to small variations of the Earth's magnetic field - Frontiers in Zoology 10 (1): Seite 49-59

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HEURICH M. (2019): Wolf, Luchs und Bär in der Kulturlandschaft - Konflikte, Chancen, Lösungen im Umgang mit großen Beutegreifern - Marco Heurich (Hrsg.), Ulmer-Verlag, 285 Seiten

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MECH D.L. (1988): Longevity in wild wolves - Journal of Mammalogy 69 (1): Seite 197-198

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MECH D.L., BOITANI L. (2003): Wolves: behavior, ecology, and conservation - The University of Chicago Press, Ltd., London, 472 Seiten

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SMITH D.W., FERGUSON G. (2005): Decade of the wolf: returnig the wild to Yellowstone, Rowman and Littlefield, Lanham, 264 Seiten

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